Die alte Dame und die heimlichen Helfer

Die alte Dame und die heimlichen Helfer

Zuletzt aktualisiert am 21. Oktober 2020

Ganz langsam taute der letzte Schnee auf und die Sonne ließ sich immer öfter am Tag blicken. Die von den Kindern gebauten Schneemänner schmolzen und hinterließen große Pfützen auf den Gehwegen. Die wärmenden Sonnenstrahlen lockten die Bewohner aus ihren Häusern in die Gärten. Der letzte Sturm des Winters hinterließ viel altes Laub, abgebrochene Äste und umgeknickte Sträucher auf dem Rasen und den Beeten.

In einem kleinen Haus am Ende der Finkenstraße, wohnte eine alte Dame, die ihren großen Garten ganz besonders liebte. In ihrem Garten standen alte Obstbäume die immer reichlich Obst trugen. Sie kochte aus dem Obst Kompott und Marmelade und hatte somit einen großen Vorrat für den Winter. Im Frühling bauten die Vögel ihre Nester in den Ästen und die alte Dame konnte von ihrer Gartenbank beobachten, wie die kleinen Vögelchen die ersten Flugversuche machten. Am meisten freute sie sich, wenn die Bienen, Hummeln und Schmetterlinge durch ihren Garten summten. Deswegen achtete sie immer sehr darauf, die Pflanzen so anzuordnen, dass zu jeder Jahreszeit für die Insekten und Vögel viele Leckereien zur Auswahl standen.

An einem besonders schönen Frühlingstag trat die alte Dame ans Fenster und sah, wie ihre Nachbarn schon fleißig in ihren Gärten herumwerkelten. Sie trat hinaus und ging ganz langsam zu ihrer Gartenbank, die unter einem großen, alten Kirschbaum stand. Von der Gartenbank aus schaute sie sich um und sah die buschigen Schneeglöckchen in den schattigen Ecken des Gartens. Sie wiegten sich ganz leicht im Wind und die alte Dame hatte das Gefühl, ein ganz leises Läuten zu hören. Und da! Ein paar bunte Flecken im Rasen. Das waren gelbe und lila Krokusse. Auch die Osterglocken und Tulpen zeigten ihre zarten Spitzen. Diesen Frühlingsboten machte der Winter nichts aus. Diese Blumen konnten es kaum erwarten, sich der Sonne entgegenzustrecken. Wohin man auch sah, brach die Erde auf und die zartesten und schönsten Farben des Frühlings kamen langsam an die Oberfläche.

Die alte Dame erhob sich nun von der Bank und wollte in den Geräteschuppen gehen, um eine Harke und einen Spaten zu holen. Doch plötzlich spürte sie einen stechenden Schmerz im Rücken. „Oh je!“ dachte sie. „Wie soll ich die Arbeit in diesem Jahr nur bewältigen? Ich kann mich ja nicht mal bis zum Beet herunterbeugen.“ Sie setzte sich wieder auf ihre Bank und überlegte: „Ich muss mich einfach etwas ausruhen, dann wird es schon wieder gehen.“ Um sie herum war ein geschäftiges Treiben. Es waren viele Kinderstimmen in den Nachbargärten zu hören, die sich die Zeit mit Verstecken spielen vertrieben. Das erinnerte die Frau an frühere Jahre, als es in ihrem Garten auch so lebhaft zuging. Der Gedanke an diese schöne Zeit zauberte ihr ein Lächeln ins Gesicht.

Durch ein leises Summen, wurde die alte Dame aus ihren Gedanken gerissen. Denn ein kleines Bienchen gesellte sich zu ihr. Es landete auf der Rückenlehne der Bank und breitete die Flügel aus, um sich etwas aufzuwärmen. „Hallo kleines Bienchen“, sprach die alte Dame. „Sicherlich hältst du schon Ausschau nach guten Futterplätzen in der Umgebung? Viele Jahre bot euch mein Garten genug leckeren Nektar und ihr wart immer herzlich bei mir willkommen. Aber nun werde ich die Arbeit im Garten wohl kaum noch schaffen können!“ Sie fing an, der kleinen Biene zu erzählen welche Sorgen sie plagten. „Summ, summ, summ“, machte die Biene. Dann flatterte sie kurz mit den Flügeln, erhob sich in die Luft, umkreiste die alte Dame einige Male und flog davon.

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1 Kommentar zu „Die alte Dame und die heimlichen Helfer“

  1. Wer auch immer diese wunderbaren Geschichten schreibt. Sie sind sehr geistreich, voller Seele, Hingabe, vermitteln wunderbare Werte und Glücksorientierungen. Ich danke dem Autor bzw. den Autoren für diese Geschenke. Sie helfen,wenn ich manchmal selbst zu müde bin, eigene Geschichten zu erfinden. Hab(t) herzlichen Dank für diese zu Herzen gehenden märchengleichen Begebenheiten, bei deren Vortrag meine Mädchen regelmäßig vor dem Ende einschlafen.

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