Prinzessin Kathi und das Einhorn

Prinzessin Kathi und das Einhorn

Zuletzt aktualisiert am 25. November 2020

In einem kleinen Königreich, umgeben von einem dichten Wald, lebte ein König mit seiner einzigen Tochter in einem wunderschönen Schloss. Katharina Marie Theresia Florentina von Schönthal Waldeshausen war der Name der Prinzessin. Der Name der Prinzessin war so lang, dass sie jeder auf dem Schlosshof nur „Kathi“ nannte.

Da Kathi die einzige Tochter des Königs war und er sie über alles auf der Welt gern hatte, las er ihr jeden Wunsch von den Lippen ab. Er war ein gutmütiger König und wollte, dass sein geliebtes Kind so glücklich wie möglich aufwächst.

Doch genau das Gegenteil trat ein. Prinzessin Kathi wurde eingebildet und zickig und verlangte stets vollste Aufmerksamkeit. Wenn ihre Wünsche nicht sofort erfüllt wurden, verschlechterte sich ihre Laune augenblicklich. Sie behandelte alle Diener unfreundlich und sprach zu ihnen selten in ganzen Sätzen. So verlangte Kathi an einem schneebedeckten Wintertag augenblicklich ein Eis mit frischen Erdbeeren, obwohl weit und breit kein frisches Obst aufzutreiben war.

Kathi war eigentlich ein liebes Mädchen, doch weil sie alles bekam, was sie sich wünschte, forderte sie auch von ihren Schneiderinnen schier unmögliche Dinge. An einem Tag wollte sie ein rosafarbenes Kleid mit gelben Diamanten bestickt. Doch schon am nächsten Tag fand sie die Farbe gelb ganz abscheulich und verlangte nun rote Steine auf dem Kleid.

Doch nach einiger Zeit verspürte Prinzessin Kathi Langeweile. Es gab keinen Wunsch, der ihr jemals abgeschlagen wurde. Kathi fiel nichts mehr ein, was sie mit ihrem Tag anfangen konnte. Denn je mehr Sachen sie sich wünschte, desto weniger Spaß machte es ihr, damit etwas anzufangen.

Als der König bemerkte, dass seine Tochter unglücklich wurde und sich sehr langweilte, ordnete er an, jeden Tag eine goldene Kutsche anzuspannen und die Prinzessin durch den schönen Wald spazieren zu fahren. Zudem würde seine Tochter von der frischen Luft ihre rosigen Wangen behalten, wie es sich für eine Prinzessin gehörte.

An einem Tag war Kathi besonders mürrisch. Nichts gefiel ihr: Das Essen schmeckte ihr nicht, das wunderschöne rosa Kleid kratzte plötzlich am Hals und auch die goldene Kutsche war nicht bequem genug für den holprigen Weg durch den Wald.
Sie schaute gelangweilt und unzufrieden aus dem goldgerahmten Fenster der Kutsche und… was war das? Sie sah ein schneeweißes Geschöpf mit einem wunderschönen, glitzernden Regenbogen hinter einem Baum aufblitzen. Kathi befahl dem Kutscher sofort anzuhalten und lief in Richtung des Regenbogens, der sich aber im Nu auflöste. Neugierig lief sie auf Zehenspitzen in den dichten Wald hinein.

„War das hier?“, fragte sich Kathi. „Was konnte das nur für ein Wesen gewesen sein?“ Kathi hatte noch nie zuvor etwas so schönes gesehen. „Ich will es sofort wiedersehen!“, stampfte sie mit ihrem zierlichen Fuß auf den Waldboden. So machte sie es auch im Schloss, wenn sie etwas unbedingt haben wollte.

Sie schaute hinter jeden Baum, aber konnte nichts entdecken. Nicht einmal eine Spur im feuchten Boden war zu erkennen. Sie lief noch ein Stück nach vorne und erblickte eine Lichtung in einem wundersamen, hellen Licht. In der Mitte erblickte Kathi ein schneeweißes… Pferd? War es wirklich ein Pferd? Kathi sah zu der Kutsche und den königlichen Pferden… Nein! Es war kein gewöhnliches Pferd. Es hatte ein großes, weißes Horn auf dem Kopf, welches im Licht glänzte wie ein Kristall. So ein Wesen hatte die Prinzessin noch nie gesehen, obwohl sie viele Tiere des Waldes recht gut kannte.

„Wer bist du?“, rief sie in die Lichtung. „Ich bin ein Einhorn“, sagte das fremde Wesen. „Ich habe mich verlaufen! Deine goldene Kutsche hat in der Sonne so sehr gestrahlt, dass ich dem Glanz bis hierhin gefolgt bin.“ Kathi bemerkte, dass das wunderschöne Einhorn traurig wurde. „Ich bin eigentlich mit den anderen Einhörnern verabredet und muss mich jetzt beeilen. Doch ich finde den Weg zurück nicht mehr.“

„Was macht ihr denn dort und wo genau trefft ihr euch?“, fragte Prinzessin Kathi neugierig. „Alle Einhörner treffen sich regelmäßig an einem geheimen Ort, den ihr Menschen nicht kennt. Dort werden die jungen Einhörner, wie ich, von einem großen Zauberer unterrichtet. Er lehrt uns, wie man sich als Einhorn verhält und wie man die Kraft bekommt, so wunderschön zu strahlen und zu leuchten. Ich muss unbedingt schnell zu dem Treffen.“

Kathi hatte es für einen Augenblick die Sprache verschlagen. Sie war geblendet von der Schönheit dieses Wesens und wollte das Einhorn unbedingt streicheln. Doch das Einhorn ließ sich nicht streicheln. Prinzessin Kathi war verärgert: „Na mach schon! Der Wald gehört meinem Vater, dem König von Waldeshausen! Du befindest dich also auf Grund und Boden unseres Königreichs und hast mir zu gehorchen!“

–> Fortsetzung auf der nächsten Seite

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