Kater Leo und das Musikzimmer

Kater Leo und das Musikzimmer

Zuletzt aktualisiert am 25. November 2020

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Eine Sache gab es da noch. Die Zimmerpflanzen in diesem Haus hatten einen hohen Stellenwert. Sie wurden sehr gehegt und gepflegt und waren ein großer Stolz von Leos Familie.

Manchmal war Leo sogar etwas eifersüchtig auf die Palmen-, Oliven- und all die Zitronenbäumchen, weil sie ständig begutachtet, bezupft und berupft und regelmäßig auf Lausbefall überprüft wurden. Man sprach sogar mit ihnen. „Schön, dass ihr euch so wohl fühlt bei uns. Steht ihr auch halbschattig genug?”

Manchmal würde sich Leo am liebsten die Ohren mit seinen Tatzen zuhalten. „Diese Mimosen, es sind doch nur Pflanzen! Kümmert euch lieber um mich! Vielleicht sollte ich eine davon etwas anknabbern, dann ist sofort Ruhe mit diesem… Konzert?! Also los! Einen Versuch ist es wert!”

Leo pirschte sich an ein Bäumchen heran. “Mmmh.. der roch tatsächlich gar nicht schlecht.” Und bei dem Hunger, den Leo jetzt hatte, war es wirklich recht verlockend. Er sprang auf den Hocker neben einer der Pflanzen, um besser an die Blätter heranzukommen. Er war gerade dabei seine Pfote auszufahren, um sich einen saftigen Zweig zu schnappen, da verlor er das Gleichgewicht und der große Topf kippte mit großem Getöse um. Auch der Hocker mit Leo darauf fiel um. Der Satz, den Leo vor Schreck vom Hocker durch das Zimmer machte und sich am Kronleuchter festkrallte, war zirkusreif.

Das konnte jetzt keiner überhören und vor allem nicht übersehen.  Alle ließen ihre Instrumente wie auf Befehl fallen und liefen in das Zimmer des Geschehens. Leo baumelte derweil am Kronleuchter und plötzlich war es mucksmäuschenstill.
Ein riesiger Scherbenhaufen lag auf dem Boden und überall verstreut lag Erde. Große offene Münder schauten zum Kronleuchter an der Decke und wieder runter auf den Teppich.

„Wer holt mich hier wieder runter? Ewig bleib ich hier nicht hängen“, dachte sich Leo. Aber diese Gesichter hatte Leo bei seinen Menschen zuvor noch nie gesehen. Blankes Entsetzen. „LEEEEOOOO!!!!!! Was ist nur heute in dich gefahren?“ Das Herrchen rang um Fassung: “Mein schönes Bäumchen!!! Das habe ich jahrelang gezüchtet…“ Einer schrie: „Holt jetzt den Kater da runter, sonst poltert noch die ganze Decke herunter“.

Jetzt ging alles ganz schnell. Jemand schnappte sich Leo und beförderte ihn schnurstracks nach draußen auf die Terrasse. Danach wurde die Tür einfach zugeknallt. Leo saß, wie versteinert da. So hatte er sich das nicht vorgestellt. Er war ein ganz zahmer Stubenkater. Noch nie in seinem Leben hatte er draußen übernachtet. „Wie konnten sie nur…?“

Instinktiv wusste Leo, dass jetzt kein Betteln und an der Tür kratzen helfen würde. Er hatte seine Menschen zum ersten mal richtig verärgert. Mit Grauen dachte Leo an das bevorstehende “Katzenkonzert” heute Nacht im Hof. Dagegen war das „Menschenkonzert“ ja noch ganz passabel. „Hätte ich ihnen doch nur dieses Zimmer überlassen. Wer weiß, ob die mich je wieder reinlassen?“

So trottete Leo zur Laube, versteckte sich unter einer Decke und harrte einfach aus. Nach einer gefühlten Ewigkeit knarrte es an der Laubentür. “Hoffentlich sind es nicht die anderen Katzen”, dachte Leo. Doch dann hörte der Kater eine vertraute, freundliche Stimme: „Wo steckst du, Leo?“ Er war erlöst und ihm war klar: Seine Menschen mussten ihn wirklich sehr gern haben. Da war er sich jetzt ganz sicher.

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