Der neue Nachbar Mauli

Der neue Nachbar Mauli

Auf einer saftigen, grünen Wiese fanden zahlreiche Tiere ihr zu Hause. Hier wohnten schon seit vielen Jahren Feldmäuse, Hamster, Hasen, Kaninchen, die Schneckenfamilie und die Regenwurmgemeinschaft zusammen. Sie alle lebten hier friedlich und freundlich miteinander und teilten sich die Wiese.

An einem schönen Sommertag sah der Hasenvater bereits von weitem einen Fremden mit einem kleinen Rucksack kommen. Er benachrichtigte sofort alle Bewohner der Wiese und im Nu kamen sie aus ihren Höhlen und Verstecken hervor.

„Hallo ich bin Mauli der Maulwurf”, rief der unbekannte Wiesenbesucher den wartenden Tieren entgegen. „Ich suche ein neues zu Hause und wollte mich hier in der Gegend mal umsehen.” Die anderen Tiere sahen sich an und freuten sich über Zuwachs auf der Wiese. Der Hasenvater sagte: „Herzlich Willkommen, Mauli. Wir haben hier ausreichend Platz und würden dir gerne die Wiese und ihre vielen Bewohner vorstellen.“ Gemeinsam wanderten sie über die große Wiese. Der Hasenvater zeigte Mauli in aller Ruhe die Behausungen der anderen Tiere. „Such dir einfach einen freien Fleck auf der Wiese aus. Bisher sind wir uns noch nie in die Quere gekommen.“

Mauli konnte sein Glück gar nicht fassen. Er war sehr froh darüber so schnell einen neuen Schlafplatz und dazu noch so freundliche Nachbarn gefunden zu haben.

Die erste Zeit auf der grünen Wiese verbrachte Mauli damit, seinen neuen Bau unter der Erde gemütlich einzurichten. Er hatte nicht viele Dinge mitgebracht, nur ein paar Kleinigkeiten, die er nun liebevoll in seinem Bau zurecht legte.

Am nächsten Tag beschloss Mauli, seine Höhle etwas zu vergrößern. Er buddelte also fleißig in alle Himmelsrichtungen und schaffte mit seinen kräftigen Schaufeln eine weite Strecke. Plötzlich merkte er, dass die Erde direkt vor ihm dünner und brüchiger wurde. Noch im gleichen Moment hörte er ein aufgeregtes quieken.

„Oh nein!”, dachte Mauli. „Ich bin aus Versehen bei der Feldmausfamilie gelandet.“ Und nicht nur das! Mauli stand jetzt mitten im Wohnzimmer der Mäusefamilie und hatte ihre Wand durchbrochen. „Das tut mir wirklich schrecklich Leid. Ich wollte hier nicht einfach hereinstürzen. Ich werde die Wand wieder reparieren.” Doch Mauli hatte Glück. Nur die Feldmauskinder waren zu Hause und fanden es schrecklich lustig, dass plötzlich ein großer, freundlicher Maulwurf bei ihnen in der Wohnung stand. „Konntest du denn gar nicht unsere Haustür sehen Mauli?, fragte eines der Mäusekinder. Mauli rieb sich seine Augen und konnte nur die Umrisse der Mäuse sehen. „Ehrlich gesagt kann ich nicht besonders gut sehen”, antwortete Mauli. Die Mäusekinder trösteten ihn und halfen ihm, den Weg aus dem Wohnzimmer zurück zu finden. Er schaufelte die Wand zum Mäusebau schnell wieder zu und tastete sich langsam und vorsichtig zu seinem Bau vor.

Als er endlich ankam, war er plötzlich so müde, dass er auf der Stelle einschlief. Am nächsten Morgen wurde er von lauten Stimmen geweckt. Scheinbar kam der Lärm direkt von der Wiese über seinem Bau. Er rieb sich seine Äuglein und tastete sich langsam nach oben. Als er den Kopf aus seinem Erdhügel steckte, sah er bereits die vielen Tiere. Sie haben sich versammelt und als sie ihn sahen, riefen sie sofort: „Mauli, sieh dir die Wiese nur an. Das ist eine einzige Baustelle. Viele Tiere von uns sind klein und schaffen es nun kaum über die vielen Hügel. Warum hast du das nur gemacht?“ Mauli sah nicht sehr viel, aber es war ihm schrecklich unangenehm, weil die anderen Tiere scheinbar böse auf ihn waren. „Ich habe das nicht mit Absicht gemacht. Wenn ich ans Tageslicht möchte, kommen die Hügel von ganz allein. Mauli war sehr traurig.

Da quiekte ein Mäusekind: „Seid nicht so streng zu Mauli, er kann die Hügel doch gar nicht sehen!” Die anderen Tiere sahen sich an und verstanden, dass er die Hügel nicht absichtlich gemacht hat. Da fiel der Feldmausmutter etwas ein: „Weißt du was, Mauli? Wir schenken dir eine Brille, dann kannst du besser sehen wo die anderen Tiere ihre Wohnungen haben. Mauli war erleichtert. Seine Nachbarn waren nicht mehr böse auf ihn und er konnte mit seiner Brille endlich das saftige Grün der Wiese sehen.

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